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Die Katheterablation

Unter einer Katheterablation verstehen wir in der Kardiologie die umschriebene Verödung von krankem Gewebe. Dieser Eingriff ist häufig effektiver und nebenwirkungsärmer als die langfristige Einnahme von Medikamenten. Eine Katheterablation kann stationär und bei entsprechnder Erfahrung und technischer Austattung auch ambulant durchgeführt werden.
Katheter Ablation

Ablation statt lebenslange Medikamenteneinnahme?

Die elektrophysiologische Untersuchung (EPU) ist eine spezielle Herzkatheter-Untersuchung. Sie dient meist der genauen Abklärung von Herzrhythmusstörungen, die zum Beispiel in einem vorhergehenden EKG festgestellt oder durch Symptome wie Herzrasen auffällig wurden. Der Vorteil einer EPU ist, dass die Herzrhythmusstörungen zum Zeitpunkt des Eingriffes ausgelöst, vermessen und terminiert werden können. Ist die Herzrhythmusstörung ausreichend gesichert, kann sie in der gleichen Prozedur durch die Katheterablation behandelt werden. Zu den Herzrhythmusstörungen, die eine Katheterablation notwendig machen, zählen supraventrikuläre Tachykardien oder das Vorhofflattern  (= Variante der supraventrikulären Tachykardien, die sich durch eine stark beschleunigte Herzfrequenz auch über längere Zeit äussert). Vorhofflimmern ist eine sehr häufige Indikation für eine Katheterablation entweder als Lungenvenen-Isolation (Rhythmuskontrolle) oder eine seltener als Schrittmacher-Implantation mit nachfolgender AV-Knoten-Ablation (Frequenzkontrolle).

Was versteht man unter Rhythmuskontrolle?

Die Rhythmuskontrolle ist eine Therapiestrategie, die zum Ziel hat, den natürlichen Sinusrhythmus zu erhalten. Die ursächliche Behandlung, bei den sogenannten erworbenen Herzrhythmusstörungen wie dem Vorhofflimmern beginnt mit einer Anpassung des Lebensstils und der Therapie begleitender Erkrankungen wie arterielle Hypertonie und Diabetes mellitus. Die Rhythmuskontrolle kann auch die Einnahme spezieller Medikamente und Kardioversionen einschliessen Unter Kardioversion versteht man die Wiederherstellung des normalen Herzrhythmus. (= Kardioversion nennt man die Wiederherstellung des normalen Herzrhythmus beim Vorliegen von Herzrhythmusstörungen). Auch eine Ablationsbehandlung (= unsere Kernkompetenz) gehört in die Gruppe der rhythmuserhaltenden therapeutischen Massnahmen.

Ablation statt lebenslange Medikamenteneinnahme?

Aktuelle Studien [1] belegen, dass die Katheterablation bessere Langzeitergebnisse liefert als die lebenslange Einnahme von Medikamenten. Insbesondere dann, wenn die Einnahme der jeweiligen Medikamente Probleme verursacht / bzw. verursachen kann. Oftmals leiden die Patienten unter der Einnahme der Medikamente ähnlich wie an den eigentlichen Krankheitssymptomen, die sie mit der Medikamenteneinnahme ja gerade zu verhindern versuchen. Medikamente aber auch Kardioversionen – sind bei Vorhofflimmern und anderen Rhythmusstörungen längerfristig nur eingeschränkt wirksam.

Dank dem wachsenden Fachwissen der hochspezialisierten Ärzte und ständig verbesserter apparativer Technik (Katheter, elektrophysiologische Hard- und Software) können die elektrisch fehlgeleiteten oder ausbleibenden Impulse weniger Zellen heute exakt gemessen und lokalisiert werden.

Kryoablation als Ersttherapie bei Vorhofflimmern 

Mit der sogenannten Kryoablation wird die Ursache des Vorhofflimmerns unter Verwendung von Kälte behoben. Die lokale Kälteapplikation verödet zielgenau Gewebestrukturen im Herzen so, dass diese Vorhofflimmern nicht mehr auslösen können. Wir wenden dieses Verfahren als Ersttherapie bei Patienten mit paroxysmalem (anfallsweisem) oder nur kurzzeitig andauerndem Vorhofflimmern an. Der Eingriff dauert in der Regel eine Stunde und wird unter einer tiefen Sedierung durchgeführt. Falls nach den ersten drei Monaten (sogenannte „Blanking-Periode“) das Vorhofflimmern erneut auftreten sollte, ist ein zweiter Eingriff indiziert.

Kryoablation

Ein Katheter wird über die Leiste bis ins Herz vorgeschoben. Dort gelang dieser über eine transseptale Punktion (Routineeingriff in der invasiven Elektrophysiologie und Kardiologie)in den linken Vorhof. An dieser Stelle werden dann die vier Lungenvenen jeweils über zwei bis vier Minuten an ihren Öffnungen mittels des Ballons bis -60 Grad Celsius heruntergekühlt. Der erzeugte „Kältebrand“ führt zu einer umschriebenen Vernarbung des Gewebes, was zur Folge hat, dass der störende, elektrische Impuls aus den Lungenvenen nicht mehr auf das Herz übergreifen kann.  

3D-Mapping und gezielte Verödung

Mit einem Katheter, der über die Leiste unter tiefer Sedierung ins Herz vorgeschoben wird, kann „live" (also am schlagenden Herzen) ein „3D-Mapping“ – das heißt eine elektrische Landkarte – aus dem Herzinnern erstellt werden. Auf der Basis dieser präzisen dreidimensionalen Anatomie und der Visualisierung der Rhythmusstörung kann im Herzinneren gezielt das für die Arrhythmie verantwortliche Gewebe lokalisiert und durch die Ablation die Herzrhythmusstörung auch langfristig terminiert werden.

Mit einem Katheter, der über die Leiste ins Herz vorgeschoben wird, wird „live" (also am schlagenden Herzen) ein „3D-Mapping“ – das heißt eine elektronische Landkarte – aus dem Herzinnern erstellt.

Elektroanatomische 3D mapping vom linken Vorhof. Lungen Venen Isolation.

Elektroanatomisches Bild des linken Vorhofs. An den roten Punkten wurde jeweils eine Ablation vorgenommen (ablatiert). Dort bilden sich umschriebene Narben, die in der Folge verhindern, dass die störenden Impulse den Vorhof nicht mehr in ein elektrisches Chaos versetzen können. Diesen medizinischen Eingriff nennen wir Lungenvenen-Isolation.

Strom oder Kälte?

Bei einer Katheterablation ist es das Ziel, durch die Verödung des Gewebes eine umschriebene Narbe zu schaffen. Damit können die arrhythmogenen Zellen direkt ausgeschaltet werden oder durch eine Leitungsblockade die abnormale Erregungsausbreitung verhindert werden. Dies kann durch elektrischen Strom, Kälte oder Laser erreicht werden. Egal welche Energiequelle angewandt wird, durch die Zerstörung der Zellverbände wird das Gewebe verödet und es entsteht eine Narbe.

Vorteil

Der Vorteil einer gezielten Verödung, welche bei örtlicher Betäubung im Dämmerschlaf – oder auf Wunsch auch in Vollnarkose – ausgeführt wird, ist die Möglichkeit, die Herzstrom-Bahnen zu messen und besser zu verstehen.

Wer profitiert am meisten?

Die meisten Herzrhythmusstörungen lassen sich aktuell durch eine Katheterablation behandeln, oft mit deutlich besseren Langzeitresultaten als bei einer medikamentösen Therapie. Bei Vorhofflimmern, Vorhofflattern, paroxysmalen supraventrikulären Rhythmusstörungen und einigen Formen der ventrikulären Tachykardie ist die Katheterablation die präferierte Methode, um lästige Episoden dauerhaft zu unterbinden. Eine Katheterablation wird minimal-invasiv durchgeführt, so dass die PatientInnen in der Regel nach einem mehrstündigen Beobachtungsintervall wieder nach Hause gehen können. In manchen Situationen muss die Ablation wiederholt werden. Dazu gehören z. B. höhergradige Vorhofflimmer-Formen. Je fortgeschrittener die Veränderungen der Muskulatur des linken Vorhofs sind, um so wahrscheinlicher ist, dass mehrere Eingriffe notwendig sind. 

Das „Heart-Team“ und der Patient

Die neuesten Richtlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie aus dem Jahr 2016 empfehlen die Zusammenarbeit verschiedener Spezialisten (Kardiologe, Elektrophysiologe und Herzchirurg) im Bereich der Behandlung des Vorhofflimmerns, um für den Patienten ein optimales Ergebnis zu erreichen. Diese Zusammenarbeit wird unter dem Begriff „Heart-Team“ zusammengefasst. Unser „Heart-Team“ begleitet Sie selbstverständlich auf Ihrem gesamten Weg während der Dauer Ihrer Behandlung!

Einzelnachweise:
  • (1) Effect of Catheter Ablation vs Antiarrhythmic Drug Therapy on Mortality, Stroke, Bleeding, and Cardiac Arrest Among Patients With Atrial Fibrillation: The CABANA Randomized Clinical Trial – PubMed.gov 2. April 2019

FAQs

Was ist ein Katheter?

Ein elektrophysiologischer Katheter ist ein ziemlich komplexer ummantelter Draht, der über die Leiste in das Herz vorgeschoben werden kann. In Verbindung mit einem EP-Aufnahmegerät und einem Stimulator können die Herzströme abgeleitet und mit programmierten elektrischen Impulsen stimuliert werden. Damit können die elektrischen Eigenschaften des Herzgewebes bstimmt und Herzrhythmusstörungen ausgelöst werden. Mit einem speziellen Ablationskatheter kann durch die Abgabe von Energie (elektrischer Strom, Kälte, Laser) Gewebe verödet und damit Rhythmusstörungen behandelt werden. Katheterbasierte Diagnostik und Intervention finden sich auch in anderen Bereichen der Kardiologie wie die Untersuchung und Behandlung von Veränderungen der Herzkranzgefässe oder der Herzklappen. 

Wie lange dauert eine Vorhofflimmer Ablation?

Der Eingriff geschieht in tiefer Sedierung (wie z.b. bei einer Magenspiegelung oder Koloskopie). Die Behandlung beginnt mit der Aufklärung des Patienten, der Organisation der Prozedur und der zeitnahen Vervollständigung oder Aktualisierung von Befunden bereits einige Tage vor dem eigentlichen Eingriff. In unserem Zentrum werden Patienten für eine Ablationsbehandlung zeitig einbestellt und auf die Intervention vorbereitet. In der Regel dauert die rein ärztliche Intervention zwischen 45 und 90 min, bei kompexeren Prozeduren gelegentlich auch einmal zwei Stunden. Für die Nachbeobachtung mit engmaschigem Monitoring werden in der Regel etwa 6 Stunden eingeplant. Alle Eingriffe in unserem Zentrum im Puls 5 werden ambulant durchgeführt. Patienten mit aufwändigen Eigriffen oder mit schwerwiegenden Begleiterkrankungen werden von uns in unseren Partenerkliniken stationär behandelt. Der Aufenthalt dauert in diesem Fall 24-48 Stunden.


Was ist die Blanking Period?

Durch die Katheterablation – insbesondere bei Vorhofflimmern – wird  eine lokale Entzündungsreaktion erzeugt, die zu der gewünschten Narbenbildung und Konsolidierung des Gewebes führt. Wie auch bei einer allgemeinen Infektion mit einem Erreger kann diese Inflammation Auslöser von Rhythmusstörungen sein (Extraschläge, Vorhoftachykardien, Vorhofflimmern). Nach zwei, spätestens drei Monaten ist dieser Prozess abgeschlossen und Herzrhythmusstörungen sollten nicht mehr auftreten. Die Phase des Auftretens dieser postinterventionellen Arrhythmien wird für den längerfristigen Therapieerfolg nicht verwendet =  Blanking-Periode. Trotzdem werden symptomatische Arrhythmien auch in der Blanking-periode konsequent behandelt (Medikamente, Elektrokardioversion). Eine erneute Katherablation wird aber in den allermeisten Fällen erst nach dem Ablauf von 3 Monaten nach dem Ersteingriff durchführt.

Erfahrungen von Patienten

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