Die häufigste tachykarde Herzrhythmusstörung
Ursachen und Risikofaktoren
Die Erkrankung tritt vor allem im höheren Alter oder bei jüngeren Patienten mit Risikofaktoren auf. Zu den Betroffenen zählen aber oftmals auch ältere, gut trainierte Ausdauersportler.
Haben Sie einen Befund und möchten eine Zweitmeinung oder sind Sie sich nicht sicher, ob Sie an Vorhofflimmern leiden? Gerne nimmt sich einer unserer Fachärzte Zeit in einer Sprechstunde für Sie.
Es gibt dafür zahlreiche Ursachen – und kann nicht selten auf den jeweiligen Lebensstil zurückzuführen sein. Meistens führen Beschwerden wie Schwindel, Bewusstseinsverlust, Atemnot oder Brustschmerzen zur Diagnose. Und auch ein Schlaganfall kann ein erstes Anzeichen für das Vorliegen dieser Herzrhythmusstörung sein. In den meisten Fällen wird das Vorliegen von Vorhofflimmern jedoch zufällig entdeckt – etwa im Rahmen einer Voruntersuchung oder einem (kardiologischen) Check-up.
Die häufigsten Ursachen

Wann sprechen wir von Vorhofflimmern?
Der gesunde Herzrhythmus ist regelmässig, aber auch variabel und als Pulswelle, die durch den Körper geht, spürbar. Normalerweise geht der Takt des menschlichen Herzens als elektrischer Impuls vom Sinusknoten im rechten Vorhof aus und passt sich der jeweiligen körperlichen, emotionalen und psychischen Belastung sehr rasch an. Das Herz befindet sich in dieser (normalen) Situation somit im Sinusrhythmus. Beim Vorhofflimmern ist dieser Rhythmus gestört und das Herz schlägt folglich nicht mehr regelmässig und auch als Herzflattern wahrgenommen.
In den Videos unten erklären wir ihnen das Vorhofflimmern:
Was ist Vorhofflimmern?
In diesem Publikumsvortrag erklärt Dr. med. Yves Sunier (Kardiologe FMH) die Ursachen, Risikofaktoren und die Häufigkeit (Inzidenz) von Vorhofflimmern. Dabei zeigt er verständlich auf, wie die Erkrankung entsteht und welche Faktoren sie begünstigen. Ausserdem erläutert er die Grundpfeiler der modernen Behandlung, die darauf ausgerichtet ist, Symptome zu lindern und Langzeitschäden sowie Komplikationen nachhaltig zu verhindern.
Was ist eine Ablation?
Prof. Dr. med. Sacha Salzberg erklärt in diesem Vortrag das Prinzip der Ablation und die medizinischen Grundlagen, die dahinterstehen. Dabei erläutert er zentrale Begriffe wie Rhythmuskontrolle und Lungenvenenisolation (PVI). Die Behandlung folgt einem stundenweisen Therapiekonzept: In der Regel wird mit einer frühzeitigen Katheterablation begonnen, die – falls erforderlich – auch wiederholt durchgeführt werden kann.
Kann Vorhofflimmern vermieden werden?
Dr. med. Thomas Zerm verrät in diesem inspirierenden Vortrag, wie Sie mit einfachen, aber wirkungsvollen Strategien Ihr Herz gesund halten können – von bewusster Lebensstilgestaltung bis zu effektiven Atemübungen. Mit den Tipps unseres Spezialisten fördern Sie Ihre Herzgesundheit – für mehr Energie und Vitalität bis ins hohe Alter.
Die üblichen Symptome
Die Symptome des Vorhofflimmerns können sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Einige Patientinnen und Patienten verspüren überhaupt keine Beschwerden und bemerken die Herzrhythmusstörung erst, wenn sie im Rahmen einer Komplikation, beispielsweise eines Hirnschlags, diagnostiziert wird. Andere hingegen nehmen das Vorhofflimmern deutlich wahr – etwa durch einen unregelmässigen Puls, eine verringerte Leistungsfähigkeit oder unspezifische Begleitsymptome. Bei manchen Betroffenen können bereits kurze Episoden zu ausgeprägter Atemnot oder sogar Panikattacken führen.
Was wird bei Vorhofflimmern verspürt
Unregelmässiger Herzschlag | Herzrasen | Palpitationen (= das subjektive Gefühl, dass das Herz zu schnell, zu stark beziehungsweise unregelmäßig schlägt) | Schwindel | Schwitzen | Atemnot | innere Unruhe | Angstgefühle | Abgeschlagenheit | Müdigkeit / Erschöpfung / eingeschränkte Leistungsfähigkeit | Brustschmerzen | Hirnschlag
Komplikationen von Vorhofflimmern
Wird Vorhofflimmern rechtzeitig erkannt und korrekt behandelt, stellt es in der Regel keine akute Gefahr für die Betroffenen dar. Die Symptome können jedoch stark variieren: Während einige Patientinnen und Patienten starke Beschwerden haben, die ihre Lebensqualität deutlich beeinträchtigen, bemerkten andere die Rhythmusstörung kaum.
Wichtig ist zu wissen, dass Vorhofflimmern das Risiko für einen Schlaganfall oder Hirnschlag um das Fünffache erhöht. Durch die unregelmässige Kontraktion der Vorhöfe kann sich im linken Herzohr ein Blutgerinnsel (Thrombus) bilden, das in den Kreislauf gelangen und Gefässe verstopfen kann – insbesondere im Gehirn, was zu einem Hirnschlag führen kann.
Zur Einschätzung dieses Risikos wird der sogenannte CHA2DS2-VASc-Score verwendet. Dieser bewertet anhand bestimmter Risikofaktoren das individuelle Thromboemboli-Risiko und dient als Grundlage für eine Therapieempfehlung mit Blutverdünnern. Patientinnen und Patienten mit einem Score von 0 Punkten benötigen in der Regel keine antithrombotische Therapie. Für alle anderen gilt: Eine adäquate Blutverdünnung ist entscheidend, um Schlaganfälle wirksam zu verhindern. Für ausgewählte Patientinnen und Patienten, die keine Blutverdünner einnehmen können, stellt der Herzohrverschluss (LAA-Verschluss) eine sinnvolle Alternative.
Lang anhaltendes oder unbehandeltes Vorhofflimmern kann zudem zu einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz) führen. Diese ist häufig irreversibel (unumkehrbar) und geht mit erhöhter Sterblichkeit, wiederholten Krankenhausaufenthalten und einer deutlich eingeschränkten Lebensqualität einher.
Die drei Formen des Vorhofflimmerns (Klassifizierung)
Vorhofflimmern kann als einmaliges Ereignis auftreten oder in wiederkehrenden Episoden verlaufen. Zudem unterscheidet sich das Krankheitsbild individuell von Patientin zu Patient. Je nach Auftreten, Dauer und Rückbildungsfähigkeit (Reversibilität) wird Vorhofflimmern – abgekürzt VHF – in drei Formen unterteilt: paroxysmal (anfallsartig), persistierend (anhaltend) oder permanent (dauerhaft).
- Paroxysmales Vorhofflimmern
Auch als intermittierendes Vorhofflimmern bezeichnet, tritt diese Form plötzlich und anfallsartig auf und verschwindet in der Regel innerhalb von 24 Stunden spontan wieder. Daher wird sie als selbstlimitierend bezeichnet. Die Betroffenen haben meist einen normalen Sinusrhythmus, und das Vorhofflimmern tritt nur gelegentlich auf. Es entsteht häufig im linken Vorhof, insbesondere im Bereich der Lungenvenen. Durch eine elektrische Isolation dieser Lungenvenen kann die Weiterleitung störender elektrischer Signale verhindert werden. Zahlreiche sogenannte "Trigger" können paroxysmales Vorhofflimmern auslösen. darunter Alkoholkonsum (insbesondere exzessiver Genuss), Übergewicht, Koffein (z. B. in Espresso oder Energy Drinks), Drogen (wie Amphetamine oder Kokain) sowie Rauchen. Das Vermeiden dieser Auslöser kann die Häufigkeit der Episoden deutlich reduzieren. Die Katheterablation gilt heute als die effektivste Behandlungsmethode von paroxysmalen Vorhofflimmern. - Persistierendes Vorhofflimmern
Das persistierende (anhaltende) Vorhofflimmern besteht meist länger als sieben Tage oder lässt dich nur durch medizinische Massnahmen – wie Medikamente oder eine Kardioversion (elektrischer Stromimpuls zur Rhythmuswiederherstellung) – beenden. Es ist in seiner Entstehung komplexer und kehrt in der Regel nicht spontan in den normalen Sinusrhythmus zurück. Dank der elektrischen Kardioversion kann jedoch eine vorübergehende Rhythmusstabilisierung erreicht werden. Das persistierende Vorhofflimmern entsteht überwiegend im linken Vorhof und breitet sich mit zunehmender Fibrose (Bindegewebsvermehrung) auf beide Vorhöfe aus. In solchen Fällen kann eine Ablationsbehandlung sinnvoll sein – etwa als Katheterablation, Hybridablation oder chirurgische Ablation. - Permanentes Vorhofflimmern
Beim permanenten Vorhofflimmern akzeptieren sowohl Patientin bzw. Patient als auch Ärztin oder Arzt den anhaltenden Rhythmuszustand; eine Wiederherstellung des Sinusrhythmus wird nicht mehr angestrebt. Der Fokus liegt hier auf der Behandlung von Beschwerden sowie der Vorbeugung von Folgeerkrankungen. Bei dauerhaft erhöhtem Puls (>100 Schläge pro Minute) sollte die Herzfrequenz medikamentös gesenkt werden. Wenn Medikamente nicht ausreichend wirken oder schlecht vertragen werden, kann eine "Pace-and-Ablate"-Strategie mit Herzschrittmacherimplantation erwogen werden. Zudem ist eine Blutverdünnung entscheidend, um thromboembolische Komplikationen zu vermeiden.
Wie wird das Vorhofflimmern diagnostiziert?
Um ein Vorhofflimmern zuverlässig feststellen zu können, erfolgt zunächst eine ausführliche ärztliche Befragung zu Ihren Beschwerden. Anschliessend werden gezielte diagnostische Untersuchungen durchgeführt. Die endgültige Diagnose erfolgt mittels Elektrokardiogramm (EKG) oder Langzeit-EKG. Wie bereits erwähnt, können heute auch moderne Smartwatches – etwa die Apple Watch – Hinweise auf ein Vorhofflimmern liefern.
Tritt das Vorhofflimmern nur gelegentlich auf, ist es oft schwierig, die Rhythmusstörung im Standard-EKG nachzuweisen, da dieses nur eine Momentaufnahme darstellt. In solchen Fällen wird ein Langzeit-EKG eingesetzt. Noch präzisere Ergebnisse liefern kontinuierliche EKG-Aufzeichnungssysteme, die – je nach Gerätetyp – auf die Haut aufgeklebt oder unter der Haut implantiert werden können.
Nach gesicherter Diagnose werden mögliche Ursachen und Begleiterkrankungen untersucht. Dazu führen wir Kardiologinnen und Kardiologen eine Echokradiographie (Herzultraschall), eine Ergometrie (Belastungs-EKG) sowie eine Blutuntersuchung durch. Bei Bedarf kann zusätzlich eine Computertomographie (CT) oder eine Herzkatheteruntersuchung veranlasst werden, um die Befunde weiter zu präzisieren.
Beispiel einer normalen EKG-Kurve (Sinusrhythmus)
Die Herzstromkurve zeigt die elektrische Aktivität des Herzens in Form charakteristischer Wellen und Zacken. Die grossen Ausschläge, die sogenannten QRS-Komplexe, treten in regelmässigen Abständen auf und zeigen den geordneten Herzschlag. Davor befinden sich die P-Wellen, die eine gesunde Aktivität des Sinusknotens anzeigen – sie sind das Zeichen für einen normalen, stabilen Herzrhythmus.

Beispiel eines EKGs bei Vorhofflimmern
Zur Bestätigung der Diagnose wird eine Elektrokardiogramm (EKG) aufgezeichnet. Das hier gezeigte EKG verdeutlicht eine absolute Arrhytmie, die typisch für Vorhofflimmern ist: Die grossen Ausschläge – die sogenannten QRS-Komplexe – treten in vollkommen unregelmässigen Abständen auf, und auch die Grundlinie erscheint unruhig und unregelmässig. Auffällig ist zudem, dass keine P-Wellen mehr erkennbar sind – sie fehlen aufgrund der ungeordneten elektrischen Aktivität in den Vorhöfen.
Erhöhte Lebensqualität dank modernster Behandlungsmethoden
Unsere Therapieverfahren bei Vorhofflimmern verfolgen das Ziel, Ihre Lebensqualität deutlich zu verbessern, Symptome zu lindern und die Risiken unbehandelten Vorhofflimmerns – wie Herzinsuffizienz oder Schlaganfall – nachhaltig zu reduzieren. So lassen sich Folgeschäden und Spätkomplikationen effektiv vermeiden.
Darüber hinaus ermöglichen unsere modernen Behandlungsansätze in vielen Fällen ein zügiges Absetzen von Medikamenten, insbesondere der Blutverdünner, nach einem erfolgreichen chirurgischen Eingriff. Im folgenden Abschnitt erfahren Sie mehr über die Therapieoptionen, die wir bei Swiss Ablation anbieten.
Wo entsteht das Vorhofflimmern?
Das Vorhofflimmern entsteht meist in den Lungenvenen. An den Übergangsstellen, an denen diese in den linken Vorhof münden, kommt es zu fehlerhaften elektrischen Impulsen – einer Art "Fehlzündung". Diese unkontrollierten Signale führen zu einem elektrischen Chaos im Vorhof, wodurch der Herzrhythmus unregelmässig wird und die Impulse nicht mehr geordnet an die Herzkammern (Ventrikel) weitergeleitet werden.
Der zentrale Baustein der modernen Vorhofflimmer-Therapie ist daher die sogenannte Lungenvenenisolation (PVI). Dabei wird durch eine gezielte Narbenbildung rund um die Lungenvenen verhindert, dass diese fehlerhaften Impulse weiterhin in den Vorhof gelangen und dort Vorhofflimmern auslösen.
Dauertherapie bei Vorhofflimmern
Die Behandlung des Vorhofflimmern verfolgt das Ziel, den Herzrhythmus zu stabilisieren, Symptome zu lindern und das Herz langfristig zu schützen. Dabei stehen drei grundlegende Therapieansätze im Vordergrund:
1. Lifestyle-Anpassung und Kontrolle der Risikofaktoren
Eine gesunde Lebensweise bildet die Basis jeder Behandlung. Dazu gehören:
- Gewichtsreduktion bei Übergewicht
- Regelmässige körperliche Aktivität
- Verzicht auf Nikotin und übermässigen Alkoholkonsum
- Behandlung von Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder Schlafapnoe
2. Rhythmuskontrolle
Ziel ist die Wiederherstellung und Erhaltung des normalen Herzrhythmus. Dies kann erreicht werden durch:
- Medikamentöse Therapie (Antiarrhythmika)
- Interventionelle oder operative Verfahren wie Katheterablation, Hybridablation oder chirurgische Ablation
3. Frequenzkontrolle
Wenn der normale Rhythmus nicht dauerhaft wiederhergestellt werden kann, steht die Kontrolle der Herzfrequenz im Vordergrund – zur Entlastung und Schonung des Herzens.
Therapieoptionen sind:
- Medikamente zur Senkung der Herzfrequenz
- Herzschrittmacherimplantation ggf. kombiniert mit einer AV-Knoten-Ablation
Interventionelle & operative Verfahren
Ziel der Behandlung: Lungenvenenisolation als Behandlungsgrundstein durch gezielte Verödung von Gewebe, das falsche elektrische Impulse sendet
- Katheter Ablation
- Radiofrequenz- (mit 3D-Mapping) oder Kryoablation im Herzinneren
- Kann mehrmals durchgeführt werden
- Chirurgische Ablation
- Radiofrequenz auf der Herzoberfläche
- Zur Vervollständigung der Lungenvenenisolation und zusätzlicher Verödung auf der Herzoberfläche
- Herzohrverschluss (in bestimmten Fällen kann auf die Blutverdünnung verzichtet werden)
- Hybridverfahren
- Kombination von 1 und 2
- Frequenzkontrolle „Pace and Ablate“ als langfristige Behandlung bei Therapieversagen von 1-3
Herzschrittmacherimplantation und danach Ausschalten des eigenen Taktgebers mit AV-Knoten-Ablation
Spezialisiert auf hartnäckiges oder komplexes Vorhofflimmern
Unser innovatives „Herz & Rhythmus Zentrum“ ist spezialisiert auf die Diagnose und Behandlung des Vorhofflimmerns – insbesondere bei hartnäckigem oder komplexem Vorhofflimmern, welches bei bereits behandelten Patienten nach einer oder mehreren Katheter-Ablationen auftreten kann.
Auch bei uns übernimmt – wie in der modernen Herzmedizin üblich – ein interdisziplinäres Team von Kardiologen und Herzchirurgen die tragende Rolle in der Diagnose und Behandlung von Herzrhythmusstörungen. Diese Arbeitsweise wird im Übrigen auch von den aktuellen Richtlinien der grossen Fachgesellschaften in dieser Form vorgegeben.
Das Kompetenznetz Vorhofflimmern e.V. (AFNET) sammelt stets aufklärendes Informationsmaterial für Patienten mit Vorhofflimmern.
Vorhofflimmern ist die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung. Allein in Deutschland leben rund zwei Millionen Patienten mit Vorhofflimmern. Betroffen sind vor allem ältere Menschen. Aufgrund des demographischen Wandels wird sich diese Zahl in den nächsten 40 Jahren mehr als verdoppeln. Die Betroffenen haben ein erhöhtes Risiko für Schlaganfälle und weitere Komplikationen zu verhindern. Die Behandlung von Vorhofflimmern zielt darauf auf, diese Komplikationen zu verhindern.