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Tachykardie

Medizinisch geprüft von: Dr. med. Thomas Zerm
Von einer Tachykardie sprechen wir Kardiologen, wenn der Puls im Ruhezustand auf über 100 Schläge pro Minute steigt. Steigt der Puls im Ruhezustand auf über 120 Schläge pro Minute, wird dies häufig als „Herzrasen“ empfunden und auch entsprechend beschrieben. In diesen Fällen sollte zwingend und unverzüglich eine ärztliche Abklärung erfolgen.
Tachykardie Behandlung
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Dr. med. Thomas Zerm

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Herzrasen (der schnelle Puls)

Die wichtigsten tachykarden Herzrhythmusstörungen

Der normale Ruhepuls liegt zwischen 60 und 100 Schlägen pro Minute. Er ist individuell sehr variabel und wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst (Geschlecht, Lebensalter, Fitnesszustand, Körpergewicht, Medikamente und andere Faktoren). Das Herz pumpt wie ein unaufhörlich laufender Motor ständig sauerstoffangereichertes Blut durch den Körper. Unter Belastung sollte die Herzfrequenz ansteigen – passiert dies nicht, wird von einer chronotropen Inkompetenz gesprochen. Diese ist meist die Folge einer Erkrankung oder altersbedingten Degeneration des Haupttaktgebers des Herzen – dem sogenannten Sinusknoten. Führt der unzulängliche Herzfrequenzanstieg oder eine Sinusbradykardie zu Symptomen wie Schwindel oder gar Ohnmachtsanfällen, kann die Implantation eines Herzschrittmachers helfen.

Von einer Tachykardie sprechen die Kardiologen, wenn der Puls im Ruhezustand auf über 100 Schläge pro Minute steigt. Herzfrequenzen von mehr als 120 Schläge pro Minute werden von vielen Patienten oft als „Herzrasen“ empfunden und auch so beschrieben. Davon abzugrenzen sind Herzfrequenzanstiege, die bei körperlicher oder seelischer Belastung, aber auch in Kombination mit Fieber auftreten und eine ganz normale physiologische Anpassungsreaktion darstellen, um dem situationsbedingt erhöhten Sauerstoffbedarf des Körpers zu entsprechen. Eine Tachykardie kann ihren Ursprung in den Hauptkammern des Herzens (den sogenannten Ventrikeln) haben. In diesem Fall handelt es sich insbesondere bei vorbestehenden Herzerkrankungen oft um eine ernstzunehmende Situation, die unbedingt fachärztlich abgeklärt werden sollte. Bei Tachykardien, die ihren Ursprung in den Vorhöfen haben, kommt es dagegen viel seltener zu akuten Notfallsituationen. Aber auch hier sollten Sie – bestenfalls direkt nach dem erstmaligen Auftreten – Ihren Arzt aufsuchen und um Abklärung der Art und Ursache der Herzrhythmusstörung bitten.

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Tachykardien aus den Vorhöfen

Sinustachykardien

Beschleunigungen der Aktivität des Haupttaktgebers des Herzens – dem Sinusknoten – lassen sich meist auf körpereigene Anpassungsreaktionen, etwa im Zusammenhang mit Belastung oder Stress – oder auf nicht-kardiale Zustände wie Sauerstoffmangel, Schilddrüsenüberfunktion, Blutverlust oder Ähnliches zurückführen. Kommt es aber bereits bei geringer körperlicher Aktivität oder während einer Ruhephase zum auffälligen, schnellen Ansteigen des Sinusrhythmus, dann kann eine inadäquate Sinustachykardie vorliegen. Nicht selten liegt in diesem Fall eine Veränderung des Gleichgewichts des vegetativen Nervensystems vor und es handelt sich nicht im eigentlichen Sinne um eine Herzrhythmusstörung. Hier können Medikamente (zumindest vorübergehend) helfen; gute Erfahrungen haben wir aber auch mit einem auf den jeweiligen Patienten zugeschnittenen spezifischen Ausdauertraining gemacht.

Ektope atriale Tachykardie

Dieser Form der Rhythmusstörung des Herzvorhofs liegt eine erhöhte Automatik eines oder gelegentlich auch mehrerer Muskelzellverbände zugrunde. Diese hartnäckige Herzrhythmusstörung kann mit Medikamenten häufig nur ungenügend reguliert werden. Aus diesem Grund ist hier eine Katheterablation mit der gezielten Verödung des verantwortlichen Vorhofareals in der Regel die Behandlungsmethode der Wahl.

Vorhofflattern

Bei Vorhofflattern entstehen elektrische Kreiserregungen in den Vorhöfen – meist um die Trikuspidalklappe herum, die zwischen dem rechten Vorhof und der rechten Hauptkammer liegt (sogenanntes typisches Vorhofflattern). Der Puls wird schnell, aber regelmässig übergeleitet. Die Herzfrequenz liegt im Mittel bei 150 Schlägen pro Minute. Gelegentlich ist in solchen Fällen eine Kardioversion notwendig, aber auch dann bietet die Katheterablation sehr gute Resultate und ist relativ einfach durchzuführen.

Vorhofflimmern

Darunter versteht der Kardiologe eine absolute Arrhythmie. Dabei findet sich eine chaotische Erregungsausbreitung mit wandernden Flimmerwellen in beiden Vorhöfen des Herzens. Ursächlich sind oft altersbedingte Veränderungen der Feinarchitektur der Muskulatur – insbesondere des linken Vorhofs. Ab etwa dem 50. Lebensjahr erhöht sich, statistisch gesehen, die Wahrscheinlichkeit, ein Vorhofflimmern zu entwickeln. Auslöser des Vorhofflimmerns sind fast immer Extraschläge oder Salven von Extraschlägen aus den herznahen Abschnitten der Lungenvenen. Diese vier Blutgefässe, deren Hauptfunktion der Transport des sauerstoffangereicherten Blutes aus den Lungen in das Herz ist, lassen sich durch eine spezielle Ablationstechnik (Lungenvenen- bzw. Pulmonalvenenisolation = PVI) elektrisch isolieren, was dazu führt, dass das Vorhofflimmern nicht mehr ausgelöst werden kann. Diese Techniken können einerseits die Katheterablation und andererseits die chirurgische Ablation sein. Von einer Hybrid-Ablation wird gesprochen, wenn diese beiden Techniken miteinander verbunden werden.

Atrioventrikuläre Tachykardien

Unter atrioventrikulären Tachykardien versteht der Fachmann Tachykardien, die bei Patienten mit einer angeborenen speziellen elektrisch-anatomischen Variante der Erregungsüberleitung vom Vorhof auf die Hauptkammern auftreten können. Dazu gehören die „AV-Konten Re-Entry-Tachykardien“ (AVNRT, AVRT, ...) und das „Wolff-Parkinson-White-Syndrom“(WPW). Behandlung der Wahl ist auch in diesen Fällen die Katheter-Ablation, bei der die zusätzlichen Leitungswege schonend und komplikationsarm verödet werden können.

Ventrikuläre Tachykardien

Bei allen Formen von Herzrasen oder Extraschlägen aus der grossen Herzkammer ist eine Abklärung der zugrunde liegenden Herzerkrankung absolut notwendig. Bitte unterschätzen Sie dies niemals, sondern achten Sie zu jeder Zeit auf Ihre Herzgesundheit!

Ventrikuläre Extrasystolen (VES) sind Extraschläge aus der Muskulatur der Hauptkammern. Meistens sind sie gutartig, können aber zu Symptomen oder Ängsten führen und sollten deshalb zwingend ärztlich untersucht und im weiteren Verlauf auch kontrolliert werden. Problematisch ist das gehäufige Auftreten (mehr als 10% der Gesamtschläge des Herzens), Extraschläge aus bestimmten Regionen (etwa aus den Purkinje-Fasern) oder die Assoziation an eine schwere Herzerkrankung. Daher ist es wichtig, dass in derartigen Fällen von ärztlicher Seite immer folgendes ausgeschlossen werden kann: Durchblutungsstörung des Herzmuskels, Verdickung des Herzmuskels, Herzklappenfehler, Herzmuskelerkrankung und Herzpumpschwäche.

Häufige Ursachen für Kammertachykardien sind Narben in den Hauptkammern nach einem Herzinfarkt sowie schwere Gefässveränderungen der Herzkranzgefässe.

Ein Defibrillator bietet den besten Schutz vor diesen gefährlichen ("malignen") Tachykardien.

Andere ventrikuläre Tachykardien finden sich bei den seltenen, genetischen rhythmologischen Erkrankungen wie dem Long-QT Syndrom, dem Short-QT Syndrom, dem Brugada-Syndrom und der katecholaminabhängigen polymorphen ventrikulären Tachykardie.

Tachykardie ist eine medizinische Diagnose, welche von einem Arzt gestellt wird. Mittlerweile können aber auch technische Geräte des Alltags – wie beispielsweise eine Apple Watch – erste Indizien für das Vorliegen einer Herzrhythmusstörung liefern.

Haben Sie einen Befund und möchten eine Zweitmeinung oder sind Sie sich nicht sicher, ob Sie an Tachykardie leiden? Gerne nimmt sich einer unserer Fachärzte Zeit in einer Sprechstunde.

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FAQs

Ab wann spricht man von einer Tachykardie?

Von einer Tachykardie sprechen Kardiologen, wenn der Puls im Ruhezustand auf über 100 Schläge pro Minute steigt – viele Patienten empfinden Frequenzen über 120/min als „Herzrasen“. Abzugrenzen davon sind normale physiologische Anstiege, etwa bei körperlicher Belastung, seelischer Anspannung oder Fieber.

Welche Tachykardie-Formen entstehen in den Vorhöfen?

Dazu zählen die Sinustachykardie (Beschleunigung des Sinusknotens, oft durch Belastung, Stress oder Schilddrüsenüberfunktion), die ektope atriale Tachykardie (erhöhte Automatik einzelner Muskelzellverbände, meist mit Katheterablation behandelt), das Vorhofflattern (elektrische Kreiserregung, oft um die Trikuspidalklappe, Frequenz im Mittel 150/min) sowie das Vorhofflimmern (chaotische Erregung in beiden Vorhöfen, meist ausgelöst durch Extraschläge aus den Lungenvenen).

Was sind atrioventrikuläre Tachykardien?

Das sind Tachykardien bei Patienten mit einer angeborenen elektrisch-anatomischen Besonderheit der Erregungsüberleitung vom Vorhof auf die Hauptkammern – dazu gehören die AV-Knoten-Reentry-Tachykardie (AVNRT), die AV-Reentry-Tachykardie (AVRT) und das Wolff-Parkinson-White-Syndrom (WPW). Behandlung der Wahl ist die Katheterablation, bei der die zusätzlichen Leitungswege schonend verödet werden.

Wann sind ventrikuläre Tachykardien gefährlich und was hilft?

Herzrasen oder Extraschläge aus der Hauptkammer müssen immer fachärztlich abgeklärt werden. Ventrikuläre Extrasystolen (VES) sind meist gutartig, können aber bei häufigem Auftreten (>10 % aller Herzschläge) oder in Verbindung mit einer schweren Herzerkrankung problematisch sein. Häufige Ursachen für Kammertachykardien sind Narben nach einem Herzinfarkt oder schwere Veränderungen der Herzkranzgefässe; ein Defibrillator bietet den besten Schutz vor gefährlichen (malignen) Formen.

Wie werden die verschiedenen Tachykardien behandelt?

Je nach Ursprung und Ursache kommen unterschiedliche Verfahren zum Einsatz: Bei ektoper atrialer Tachykardie, Vorhofflattern, AV-Knoten-Tachykardien und WPW ist die Katheterablation meist die Methode der Wahl. Vorhofflimmern kann durch Lungenvenenisolation mittels Katheterablation, chirurgischer Ablation oder – als Kombination beider Techniken – Hybrid-Ablation behandelt werden. Bei inadäquater Sinustachykardie helfen oft Medikamente oder gezieltes Ausdauertraining, bei gefährlichen ventrikulären Tachykardien ein Defibrillator. Auch Wearables wie die Apple Watch können erste Hinweise auf eine Herzrhythmusstörung liefern – die Diagnose selbst stellt aber immer der Arzt.

Was ist POTS?

POTS ist eine Störung des autonomen Nervensystems, bei der der Puls beim Aufstehen aus dem Liegen oder Sitzen übermässig stark ansteigt (meist um mindestens 30 Schläge pro Minute bzw. auf über 120/min innerhalb von 10 Minuten), ohne dass der Blutdruck dabei relevant abfällt. Betroffen sind überwiegend jüngere Frauen.

 

Welche Symptome sind typisch für POTS?

Häufig treten Herzrasen, Schwindel, Benommenheit, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen ("Brain Fog"), Zittern, Übelkeit und gelegentlich Beinahe-Ohnmachten (Präsynkopen) beim Aufstehen oder längerem Stehen auf. Die Beschwerden bessern sich meist im Liegen.

Wie wird POTS diagnostiziert und behandelt?

Zur Diagnose dient meist ein Schellong-Test oder eine Kipptisch-Untersuchung, bei der Puls und Blutdruck im Liegen und Stehen gemessen werden; eine kardiologische Abklärung schliesst zudem andere Ursachen des Herzrasens aus. Die Behandlung ist meist nicht-medikamentös und umfasst ausreichende Flüssigkeits- und Salzzufuhr, Kompressionsstrümpfe sowie gezieltes körperliches Training; bei Bedarf kommen ergänzend Medikamente zur Kreislaufstabilisierung zum Einsatz.